Seit Februar 2025 sind die ersten verbotenen KI-Praktiken des EU AI Acts in Kraft. Viele Gründer:innen und Soloselbständige wissen das noch nicht — oder fragen sich: Betrifft mich das überhaupt?
Die Antwort ist Ja. Aber die eigentlich wichtige Botschaft kommt gleich.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ist eine persönliche Zusammenfassung öffentlich zugänglicher Gesetzestexte, insbesondere der Verordnung (EU) 2024/1689. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche rechtliche Einschätzungen wende dich an eine zugelassene Rechtsberatung. Aktueller Stand: EUR-Lex.
Anbieter oder Betreiber — in welche Rolle fällst du?
Das Gesetz unterscheidet zwei Hauptrollen:
KI-Anbieter (Provider) entwickeln KI-Systeme — zum Beispiel OpenAI (ChatGPT), Anthropic (Claude) oder Adobe (Firefly). Als Gründerin oder Soloselbständige:r bist du das in den allermeisten Fällen nicht.
KI-Betreiber (Deployer) nutzen fertige KI-Systeme für ihre Geschäftstätigkeit. Wenn du ChatGPT für Texte, Canva AI für Grafiken oder ein KI-Tool für Social Media verwendest — dann bist du Betreiber.
Als Betreiber hast du deutlich weniger Pflichten als ein Anbieter. Das ist die eigentlich wichtige Botschaft.
Der EU AI Act bewertet KI-Anwendungen nach Risikostufe. Entscheidend ist dabei nicht nur das Tool selbst, sondern vor allem der konkrete Anwendungskontext bzw. Use Case.
Kurz zusammengefasst:
- Verboten: Heimliche Manipulation, Social Scoring, gezielte Ausnutzung von Schwachstellen (z. B. bei Kindern oder älteren Menschen)
- Hochriskant: KI-Systeme für Personalentscheidungen, Kreditvergabe, Medizin, kritische Infrastruktur oder biometrische Identifikation
- Begrenzt riskant: Systeme mit Transparenzpflichten, z. B. Chatbots oder KI-generierte Inhalte
- Minimal riskant: Viele alltägliche KI-Anwendungen wie Textassistenz, KI-Bildbearbeitung oder Spam-Filter
Wichtig: Die Risikoeinstufung bezieht sich häufig auf die konkrete Nutzung. Ein Tool wie ChatGPT kann im Marketing minimal riskant sein, aber in einem HR- oder Kreditbewertungsprozess unter strengere Regeln fallen.
Beispiele:
- ChatGPT für Blogtexte → meist minimal riskant
- KI-gestützte Bewerberbewertung → potenziell hochriskant
- KI-Chatbots im Kundenservice → Transparenzpflicht (Nutzer:innen müssen wissen, dass sie mit KI interagieren)
Muss ich KI-Inhalte kennzeichnen?
Normale Marketingtexte — Social-Media-Posts, Newsletter, Blogartikel — müssen nicht als „KI-generiert” gekennzeichnet werden.
Deepfakes hingegen schon: Ein KI-generiertes Bild oder Video, auf dem eine reale Person erkennbar dargestellt wird, muss als solches kenntlich gemacht werden.
Chatbots müssen sich als KI vorstellen — von Anfang an, bevor das Gespräch beginnt. Ein einfacher Satz wie „Hallo, ich bin der KI-Assistent von [dein Unternehmen]” reicht.
Vorsicht bei Dateneingaben
Was du in ein KI-Tool eingibst, verlässt deinen Computer und wird auf Servern des Anbieters verarbeitet — häufig außerhalb der EU. Das hat zwei Konsequenzen:
EU AI Act: Keine vertraulichen Geschäftsdaten (Kundenlisten, Verträge, Mitarbeiterdaten) ungefiltert eingeben. Nutze anonymisierte Beispiele oder fiktive Daten.
DSGVO: Wenn du Personendaten mit KI verarbeitest, muss das in deiner Datenschutzerklärung stehen. EU AI Act und DSGVO gelten gleichzeitig — der eine ersetzt den anderen nicht.
Checkliste — was du jetzt tun musst
Diese fünf Punkte klingen einfach — aber wer sie wirklich rechtssicher und nachvollziehbar umsetzen will, merkt schnell: Es gibt Fragen, die ein Artikel nicht beantworten kann.
Wie weise ich KI-Kompetenz nach, wenn ich allein arbeite?
Im Kurs KI-Kompetenz für das Marketing gehen wir genau das Schritt für Schritt durch — praxisnah, ohne Juristendeutsch, zugeschnitten auf Gründer:innen, Soloselbständige und KMUs.
Die wichtigsten Fristen
| Datum | Was gilt |
|---|
| 2. Februar 2025 | Verbotene KI-Praktiken (Art. 5) — gilt bereits |
| 2. August 2025 | KI-Kompetenzpflicht (Art. 4) — gilt bereits |
| 2. August 2026 | Hochriskante KI-Systeme (Anhang I) |
Aktueller Stand: EUR-Lex oder Bundesnetzagentur
Fazit
Der EU AI Act ist für Gründer:innen, Soloselbständige und KMUs kein Bürokratiemonster. Der Kern ist überschaubar: keine Manipulation, Chatbots kennzeichnen, keine vertraulichen Daten in KI-Tools — und grundlegende KI-Kenntnisse nachweisen können.
Wer das kennt und strukturiert umsetzt, ist auf der sicheren Seite.
Quellen
Dieser Artikel entstand mit KI-Unterstützung und wurde redaktionell überarbeitet.