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KI & Recht

EU AI Act: Was Soloselbstständige und KMUs jetzt wissen sollten

Aktualisiert: 6 Min. Lesezeit von Annette Schneider-Desgranges
EU AI Act: Was Soloselbstständige und KMUs jetzt wissen sollten

Der EU AI Act gilt für alle die KI-Tools geschäftlich einsetzen, auch für ChatGPT & Co. Was Soloselbstständige und KMUs konkret wissen und tun sollten.

Der EU AI Act ist in Kraft. Und er gilt für alle die KI-Tools geschäftlich einsetzen, auch für einfache Anwendungen wie ChatGPT. Viele Soloselbstständige und KMUs wissen noch nicht, welche Pflichten konkret für sie gelten. In den meisten Fällen sind die Anforderungen überschaubarer als gedacht, aber sie müssen aktiv angegangen werden. Jeder ist selbst dafür verantwortlich, sich das nötige Wissen anzueignen.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ist eine persönliche Zusammenfassung öffentlich zugänglicher Gesetzestexte, insbesondere der Verordnung (EU) 2024/1689. Er stellt die persönliche Auslegung der Autorin dar, erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellt keine Rechtsberatung dar. Gesetze entwickeln sich weiter. Aktueller Stand: EUR-Lex. Für verbindliche rechtliche Einschätzungen wende dich an eine zugelassene Fachperson.


Was ist KI-Kompetenz nach Art. 4 EU AI Act?

Art. 4 EU AI Act verpflichtet alle die KI-Systeme geschäftlich einsetzen, dafür zu sorgen dass ausreichende KI-Kompetenz vorhanden ist. Das gilt für die eigene Person, das Team und alle Externen die in eigenem Auftrag KI nutzen. Was als ausreichend gilt, hängt vom konkreten Einsatzkontext ab. Ein formelles Zertifikat ist nicht vorgeschrieben, dokumentierte Schulungen oder Kurse können ein geeigneter Baustein sein. Diese Pflicht gilt seit dem 2. Februar 2025.


Was ist KI-Compliance?

KI-Compliance bedeutet, beim geschäftlichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz relevante gesetzliche und ethische Anforderungen zu kennen, im Blick zu behalten und strukturiert anzugehen. Die wichtigsten Regelwerke sind der EU AI Act und die DSGVO, je nach Branche können weitere Vorschriften relevant sein. KI-Compliance ist kein einmaliger Akt, sondern ein laufender Prozess.


Anbieter oder Betreiber – welche Rolle hast du?

Der EU AI Act unterscheidet zwei Hauptrollen.

KI-Anbieter entwickeln KI-Systeme, zum Beispiel OpenAI, Anthropic oder Adobe. Als Soloselbstständige oder KMU bist du das in den allermeisten Fällen nicht.

KI-Betreiber nutzen fertige KI-Systeme für ihre Geschäftstätigkeit. Wenn du ChatGPT für Texte, Canva AI für Grafiken oder ein KI-Tool für Social Media verwendest, bist du in der Regel Betreiberin.

Als Betreiberin hast du in den meisten Fällen weniger Pflichten als ein Anbieter, aber du hast Pflichten.


Welche Risikoklasse hat dein KI-Tool?

Der EU AI Act bewertet KI-Anwendungen nach Risikostufe. Entscheidend ist dabei nicht nur das Tool selbst, sondern vor allem der konkrete Anwendungskontext.

  • Verboten: Heimliche Manipulation, Social Scoring, gezielte Ausnutzung von Schwachstellen.
  • Hohes Risiko: KI-Systeme für Personalentscheidungen, Kreditvergabe, Medizin oder biometrische Identifikation. Hier gelten strenge Anforderungen.
  • Begrenztes Risiko: Systeme mit Transparenzpflichten, zum Beispiel Chatbots oder KI-generierte Inhalte.
  • Minimales Risiko: Viele alltägliche KI-Anwendungen wie Textassistenz, KI-Bildbearbeitung oder Spam-Filter.

Wichtig: Die Risikoeinstufung hängt von der konkreten Nutzung ab. Ein Tool wie ChatGPT kann im Marketing minimales Risiko haben, in einem HR-Prozess aber unter strengere Regeln fallen.

Typische Einordnungen als Orientierung:

  • ChatGPT für Blogtexte: in vielen Fällen minimales Risiko
  • KI-gestützte Bewerberbewertung: kann hohes Risiko bedeuten
  • KI-Chatbots im Kundenservice: Transparenzpflicht relevant

Diese Einordnungen sind keine rechtliche Einschätzung für deinen konkreten Fall.


Müssen KI-Inhalte gekennzeichnet werden?

Die Kennzeichnungspflicht nach Art. 50 EU AI Act gilt nicht pauschal für alle KI-generierten Inhalte. Normale Marketingtexte wie Social-Media-Posts oder Newsletter müssen in vielen Fällen nicht als KI-generiert gekennzeichnet werden. Anders kann es bei synthetischen Medien aussehen, also KI-generierten Bildern oder Videos auf denen reale Personen erkennbar dargestellt werden. Chatbots müssen kenntlich machen dass Nutzer mit einer KI interagieren. Die genaue Einordnung hängt vom Einzelfall ab.


Vorsicht bei Dateneingaben

Was du in ein KI-Tool eingibst, wird auf Servern des Anbieters verarbeitet, häufig außerhalb der EU. Wenn dabei personenbezogene Daten eingegeben werden, kann nach DSGVO ein Auftragsverarbeitungsvertrag erforderlich sein. Viele Anbieter stellen einen solchen Vertrag bereit. Prüfe ob dieser für deinen Account aktiv ist. Vertrauliche Kunden- oder Unternehmensdaten sollten grundsätzlich nicht ungefiltert in KI-Tools eingegeben werden.

EU AI Act und DSGVO gelten gleichzeitig, der eine ersetzt den anderen nicht.


Was Soloselbstständige und KMUs konkret angehen sollten

  • KI-Inventar: Welche KI-Tools werden eingesetzt? Name, Anbieter, Zweck dokumentieren.
  • Risikoklasse einordnen: Welche Risikoklasse hat das eigene Tool im konkreten Einsatzkontext?
  • Chatbot kennzeichnen: Macht er deutlich dass er eine KI ist?
  • Dateneingabe prüfen: Werden vertrauliche oder personenbezogene Daten eingegeben?
  • KI-Kompetenz dokumentieren: Seit Februar 2025 sind Betreiber verpflichtet, ausreichende KI-Kompetenz sicherzustellen und zu dokumentieren.

Diese Punkte sind eine Orientierungshilfe. Die konkrete Umsetzung hängt immer vom Einzelfall ab.

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Die wichtigsten Fristen im Überblick

DatumWas gilt
2. Februar 2025Verbotene KI-Praktiken (Art. 5) und KI-Kompetenzpflicht (Art. 4)
2. August 2025GPAI-Pflichten für Anbieter von KI-Modellen
2. August 2026Transparenzpflichten nach Art. 50
Ab 2027Hochrisiko-KI-Pflichten, abhängig vom Digital Omnibus

Stand Juli 2026. Die Fristen können sich durch den Digital Omnibus noch ändern. Aktuellen Stand immer auf EUR-Lex oder Bundesnetzagentur prüfen.


Fazit

Der EU AI Act ist für Soloselbstständige und KMUs kein Bürokratiemonster. Die wichtigsten Grundlagen sind überschaubar: keine verbotenen Praktiken einsetzen, Chatbots kennzeichnen, keine vertraulichen Daten ungefiltert in KI-Tools eingeben und KI-Kompetenz dokumentieren. Wer das kennt und strukturiert angeht, ist gut aufgestellt.

Die Umsetzung liegt bei dir. Dieser Artikel gibt Orientierung, ersetzt aber keine individuelle Rechtsberatung.


Quellen


Dieser Artikel entstand mit KI-Unterstützung und wurde redaktionell überarbeitet. Er stellt keine Rechtsberatung dar.

Häufige Fragen

Muss ich meine KI-generierten Social-Media-Posts kennzeichnen?

Die Kennzeichnungspflicht nach Art. 50 EU AI Act gilt nicht pauschal für alle KI-generierten Inhalte. Normale Marketingtexte müssen in vielen Fällen nicht als KI-generiert gekennzeichnet werden. Anders kann es bei synthetischen Medien aussehen auf denen reale Personen erkennbar dargestellt werden. Die genaue Einordnung hängt vom Einzelfall ab. Im Zweifel eine spezialisierte Fachperson hinzuziehen.

Muss ich ein Zertifikat für KI-Kompetenz nachweisen?

Ein formelles Zertifikat ist nicht vorgeschrieben. Art. 4 EU AI Act verpflichtet Betreiber, ausreichende KI-Kompetenz sicherzustellen. Wie das nachgewiesen wird, ist nicht abschließend festgelegt. Dokumentierte Schulungen oder Kurse können dabei ein geeigneter Baustein sein. Die konkrete Anforderung hängt vom Einzelfall ab.

Gibt es Ausnahmen für KMUs?

Ja. Der EU AI Act sieht verschiedene Erleichterungen für KMUs und Start-ups vor. Dazu gehören unter anderem der priorisierte Zugang zu Regulatory Sandboxes sowie vereinfachte Dokumentationsformulare und reduzierte Gebühren. Die konkrete Umsetzung dieser Erleichterungen ist noch im Gange. Für aktuelle Informationen empfehlen wir die Bundesnetzagentur oder EUR-Lex.

Was passiert mit meinen Daten wenn ich etwas in ChatGPT eingebe?

Eingaben werden auf den Servern des Anbieters verarbeitet, häufig außerhalb der EU. Wenn dabei personenbezogene Daten eingegeben werden, kann nach DSGVO ein Auftragsverarbeitungsvertrag erforderlich sein. Viele Anbieter stellen einen solchen Vertrag bereit. Prüfe ob dieser für deinen Account aktiv ist. Vertrauliche Daten sollten grundsätzlich nicht ungefiltert eingegeben werden. Im Zweifel eine Fachperson für Datenschutz hinzuziehen.

Wo finde ich die aktuell gültigen Fristen des EU AI Act?

Die Fristen stehen in Artikel 113 der Verordnung (EU) 2024/1689. Da der Digital Omnibus einige Fristen voraussichtlich noch anpassen wird, empfehlen wir den aktuellen Stand regelmäßig zu prüfen: eur-lex.europa.eu oder Bundesnetzagentur.

Dieser Artikel entstand mit KI-Unterstützung und wurde redaktionell überarbeitet.

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Annette Schneider-Desgranges

Autorin

Annette Schneider-Desgranges

Marketing-Expertin mit über 25 Jahren Erfahrung · Gründerin der AI Marketing LearnAgency in Karlsruhe · Dozentin · Certified KI Architect – Expertin für KI Agenten · Certified AI Marketing Innovation Leader · Certified AI Prompt Engineer.

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